Die ersten Fohlenauktionen und einige Fohlenschauen sind bereits Geschichte. Viele unserer Einschätzungen haben sich als realistisch dargestellt. Auf zwei davon möchte ich in dieser Kolumne eingehen.

Wickrather Fohlenauktion
Die Umstellung der rheinischen Fohlenvermarktung von einem Verkaufstag hin zu einer richtigen Auktion war kein einfacher Weg, aber im Nachhinein mit Sicherheit der richtige. Seit Corona hat sich auch die Online-Variante fest etabliert. In diesem Jahr bereits in der neunten Auflage haben wir sowohl bei der Preisspitze als auch beim Durchschnittspreis einen neuen Rekord erreicht. Das freut mich unheimlich für alle Beteiligten. Wir merken mittlerweile, dass durch die Arbeit der letzten Jahre Vertrauen auf Käufer- und Verkäuferseite aufgebaut wurde. Das macht solche Erfolge erst möglich. Und für alle, die wie bei jeder Auktion den Verdacht äußern, dass alles nur Schmu und Geschiebe ist,  denen sei gesagt, dass in dieser Auktion harte Arbeit in vielen Details steckt. Das Ende kam wie erhofft, aber das wussten wir erst als der virtuelle Hammer fiel. Es wurde um jeden Euro bis zum Schluss gekämpft und das teilweise mit sehr offenem Ausgang. Ob es jetzt Glück oder Können war, lassen wir mal dahingestellt.

Was Fakt ist: Fohlen von überdurchschnittlicher Qualität und Beschicker, die auch vermarkten wollen und nicht von unrealistischen Reservepreisen träumen, machen uns das Geschäft deutlich einfacher. Einen Wermutstropfen haben wir trotz dieser phänomenalen Auktion. Der Durchschnittsmarkt, vor allem für die Fohlen, welche auf den ersten Blick nicht Hengstsanwärter oder Staatsprämienstuten werden, hat sich im Vergleich zu den Vorjahren so deutlich abgekühlt, dass momentan keine zufriedenstellenden Preise für die Aussteller erzielt werden.

Selektion
Bei diesem Thema wird uns oft vorgeworfen, gerade bei den Hengsten, nicht streng genug zu sein. Sei es Typ, Gang, Qualität oder Korrektheit.
Ich kann hier keine detaillierte Auswertung vorweisen, habe aber einmal die letzten Körjahrgänge Revue passieren lassen. Mehr als die Hälfte der gekörten Hengste landet gar nicht im Deckeinsatz. Von der verbliebenen Hälfte haben Zweidrittel keine nennenswerten Bedeckungszahlen. Geschätzt über alle Rassen, haben 15 Prozent der gekörten Hengste eines Jahrgangs mehr als 15 Nachkommen in ihrem Leben hinterlassen, manche natürlich auch deutlich mehr. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem ich bei jeder Fohlenschau darüber nachdenke, dass ja dort auch noch eine Mutter zu dem Fohlen gehört, die im besten Fall auch auf 15 Fohlen und mehr kommen kann. Und da möchte ich alle Züchter, die gerade von den Hengsten Qualität, Korrektheit, Charakter, Fruchtbarkeit und Gesundheit einfordern, bitten, diesen Maßstab auch an ihre Stute und ihre Produkte anzulegen.
Dann kommen wir in der Selektion ein ganzes Stück weiter.

Vergangenes
Mit dem Tod von Georg Hoogen ist die Deckstation Vogelsangshof und damit wohl auch die prägendste Hengststation des Rheinlands im letzten Jahrhundert Geschichte.

Ein Name, mit dem ich seit Kindheitsbeinen Hengste in allen Facetten verbinde. Vererber, wie Patron, Mackensen, Mephistopheles, Sir Shostakovich xx, Lancer ll und auch Eckley, ohne den es die rheinische Ponyzucht so nicht gebe, haben die Trakehner- und Landespferdezucht nicht nur im Rheinland sondern auch weit darüber hinaus geprägt. Viel züchterisches Know How hat seinen Ursprung in Kervenheim gefunden. Faszinierend war es seinerzeit sich mit Gottfried Hoogen darüber zu unterhalten. Nicht minder mit seinem Sohn Georg, den ich als pferdezüchterisches Lexikon bezeichnen möchte. Als Zeitzeuge konnte er viele Anekdoten zu Pedigrees erzählen, die nicht immer für das Protokoll geeignet waren, mir aber unheimlich viele Einblicke, gerade in die Reitponyzucht, gaben.

Der Turniersport
Wie in der Gesellschaft, trifft auch der Reitsport den Strukturwandel mit voller Kraft, dabei waren die drei Jahre Corona Pandemie mit Sicherheit der Beschleuniger.
Wie sich die Turnierlandschaft gerade wandelt, merken vor allen Dingen kleinere Veranstalter.
Nun muss man sagen, dass die steigenden Kosten in allen Bereichen auf Teilnehmer- und Veranstalterseite bereits die hiesigen Strukturen merklich ausgedünnt hat. Dies spürt man im Basissport, aber auch in den gehobenen Klassen.
Da Sport und Zucht oftmals zusammen gehen, mache ich mir durchaus Gedanken, wie sich in den kommenden Jahren der Basis- und der Spitzensport entwickelt. So, wie es momentan aussieht, wird die Auswahl deutlich schrumpfen. Viele Traditionsturniere, die über Jahrzehnte fester Bestandteil des Turnierkalenders waren, sind bereits weg oder stehen kurz davor.

Zum Schluss ein Tipp von mir an die Turniermacher im Land: Alle Turnierveranstalter, die selber nah am Sport sind und sich als Dienstleister für den Turnierteilnehmer verstehen, haben eine Zukunft.
Wer meint, Richter, Parcourschef, Meldestelle, Boden, Abreiteplatz, Gastronomie und Parkplatz als Nebensache zu betrachten, vergisst, dass die Reiter oftmals viel Aufwand, nicht nur in finanzieller Hinsicht, betreiben, um in den meisten Fällen ihrem Hobby nachzugehen. Und da man sich an den Wochenenden nicht allzu viel ärgern möchte, entscheiden Reiter, Besitzer, Sponsoren und Zuschauer selber, wo es ihnen gefällt und wo nicht.

 

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